Koffer mit der Aufschrift Plan A. Davor unten rechts eine goldene Katzenmaske und eine grüne Maske mit Federn.

Über befristete Fäden und freischwingende Spinner

Diesen Text habe ich vor rund zwei Jahren geschrieben. Etwa in der Zeit, in der ich mich auf meine Selbstständigkeit vorbereitet habe. Kurz davor hatte ich mein Volontariat beendet. Für dieses hatte ich einen Vertrag unterschrieben, in dem stand, dass es im Anschluss keine Übernahme geben wird.

Was für ein Glück!

Was würde so manch einer um einen Faden geben, der so reißfest ist, wie das Leben dauert. Doch so ein Faden ist heutzutage oft nur ein, vielleicht zwei Jahre lang, und teilweise so dünn, dass man schon genau schauen muss, wo man hin greift, um nicht herunterzufallen.

Doch auch Fäden, die manchmal zehn oder zwanzig Jahre in eine Richtung streben, reißen irgendwann vielleicht, und festhalten will man sich an ihnen auch nicht immer. Vor allem nicht, wenn der Griff schwächer wird und die Hängenden um einen herum Dinge denken und sagen, wie: „In zwei Jahren geht die sowieso“. Oder, wenn man noch jung ist, und dieselben Hängenden erzählen, dass man ja doch keinen dieser ausgedünnten Lebensabend-Fäden mehr abkriegt, die jetzt die Alten in Ermangelung anderer Möglichkeiten an ihr vierzig Jahre altes Geflecht hängen. Die Zynischen unter ihnen sehen ihn auch als festen Strick, an dem sie dann am Ende baumeln. Abgeben an Fadenlose wollen sie von ihrem eigenen Halt, über den sie nur allzu oft meckern, lieber trotzdem nichts.

Wie ist es denn jetzt wirklich? Da nimmt man doch, was man kriegen kann. Egal, wie dünn es ist. Denn man möchte ja nicht ins Loch rauschen. Dann doch lieber Niedriglohngeflechte aus undankbarem Material. Mit der antiproportionalen Formel: Je sozialer die Tätigkeit, desto schlechter die Griffigkeit.

Von diesen Fäden nehmen sich einige nicht nur einen. Nein, da nimmt man sich den einen und knüpft ihn an den nächsten, bekommt mal ein Stück geliehen, einige geschenkt, von denen, die man vorher in Gemeinschaftsarbeit erschaffen hat. Und versteht mich nicht falsch, es ist schön, dass es solche Fäden gibt. Doch sollten nicht die Fäden, die wir weben, immer auch zum Überleben nützlich sein, und denen, die nicht mehr weben können, einen Halt bieten?

Denn bedenkt, manchmal hängt noch jemand anderes daran, vielleicht sogar zwei oder drei, die von zwei oder nur von einem sehr dünnen Faden gehalten werden. Und diese anderen, die sich mit festhalten, lassen Gott sei Dank, nur die wenigsten fallen.

Manchmal kommt es vor, dass wenn die Fäden enden, sich die Menschen aufmachen, und keinen dieser hingehaltenen nutzen oder schlicht keinen bekommen können. Diese fangen manchmal das Spinnen an. Das kann schiefgehen, denn das Netz unter diesen Spinnern ist anfangs durchaus dünner als unter denen, die sich an Fäden hängen, die von etablierten Konzernen hingehalten werden.

Aber es könnte sein, dass man sich an solchen Fäden irgendwann doch ganz gut festhalten kann. Vielleicht kann man sogar einige Unterfäden abgeben und selten sogar Traumautos und Immobilien dranhängen. Doch sollte man gerade zu Anfang vorsichtig sein, denn da halten sie manchmal kaum das eigene Selbst. Und doch:

So ein selbstgesponnener Faden, auch ohne Traumautos und Immobilien, dafür aber mit genügend freiem Schwung, sieht für manche ganz verlockend aus. Und ist oft länger als so ein Zwei-Jahres-Faden, unter denen die Netze zwar dicker, aber auch nicht ewig haltbar sind. Auch mich hat das verlockt. Deshalb bin ich Spinnerin – und gebe gern an Fadenlose ab.